Der Tag nach Münster: Neuanfang oder Chance vertan?

Die Vereine Kinderseelenschützer e.V. und das Deutsche Kinderschutz-Forum e.V. haben heute Morgen (21.06.2020) ein gemeinsames Statement mit der Überschrift "Kundgebung in Münster: Um was geht es den Akteuren im Kinderschutz wirklich?" veröffentlicht. Dieses Statement hat erwartungsgemäß hohe Wellen geschlagen.

In diesem Statement möchten wir gerne auch auf die positiven Aspekte des Wochenendes eingehen und nochmal Stellung zur Kritik nehmen, die uns erreicht hat.


Dennis Engelmann hat heute im Laufe des Tages mit einigen Teilnehmern der Veranstaltung gesprochen. Der Tenor dieser Gespräche war, dass die Kritik an sich gerechtfertig, aber der gewählte Weg unangebracht war und wenig zielführend sei. Über den von uns gewählten Weg kann man tatsächlich streiten und wir können uns auch gut vorstellen zukünftig einen anderen Weg zu wählen und das liegt daran, dass wir heute untereinander gut in den Dialog gekommen sind. Bis auf eine Ausnahme konnten wir mit allen eine Gesprächsbasis finden und das muss man auch positiv hervorheben. Konstruktive Kritik ist sehr wichtig und notwendig. Zukünftig nehmen wir uns vor, dass wir vor der Veröffentlichung eines solchen Statements das Gespräch suchen.


Dennoch hatte das Statement was gutes: Dadurch wissen wir jetzt mit wem wir zukünftig nicht mehr zusammenarbeiten werden, denn was hinter den Kulissen von einzelnen Akteuren veranstaltet wurde ist einfach ein Skandal! Der heutige Dialog unter den Beteiligten ist eine Chance und kann der Neubeginn einer neuen Kommunikationskultur unter den Akteuren im Kinderschutz sein. Es bedarf der Entwicklung eines "Ehrenkodex", den wir alle miteinander und untereinander erarbeiten und einhalten müssen, die dieselben Ziele verfolgen!


Jetzt zurück zu Samstag: Es war die erste Veranstaltung dieser Art, an der die großen Akteure im Kinderschutz "gemeinsam" teilgenommen haben. Das kann man durchaus auch als Erfolg verbuchen. Unterm Strich waren gut zehn Vereine und Initiativen an einem Ort versammelt. Der Wille war auf jeden Fall da!

An diesem Tag sind einige Betroffene zu Wort gekommen und alleine deswegen hat sich die Veranstaltung schon gelohnt, denn das war sehr bewegend und für die Betroffenen ein sehr großer Schritt! Solche Redebeiträge sensibilisieren und sind ein wichtiger Baustein für Veränderung!

Durch diese Veranstaltung ist man erst in den Austausch gekommen. Menschen, die sich vorher nur von den Social Media Plattformen kannten, haben die Möglichkeit bekommen sich mal persönlich kennenzulernen und auszutauschen!


Ein Problem , das wir deutlich stärker in den Fokus nehmen sollten ist die Resonanz dieser Veranstaltung.

In der Presse stand, dass etwa 80 bis 100 Menschen Gesicht gegen (sexuelle) Gewalt gezeigt hätten! Von den 80 bis 100 Menschen waren aber etwa 40 Akteure im Kinderschutz mit dabei und etwa 10-15 vorab bestellte Ordner.

Unterm Strich waren also rund 50 Leute da, die ihr Interesse gezeigt haben. Wir wiederholen 50(!) Teilnehmer!

Wir waren in einer Stadt, in der vor wenigen Tagen der nächste große Missbrauchsskandal aufgedeckt wurde!

Ina Tolksdorf hat es auf den Punkt gebracht, als sie gesagt hat, dass sie stinksauer ist. Stinksauer auf die Menschen, die nicht da gewesen sind.

Wo waren die Lehrer?! Wo waren die Vertreter der Stadt?! Wo waren die Eltern und Angehörigen der Betroffenen?! Wo waren die Menschen aus Münster?! WO?! SIE WAREN NICHT DA! DIE MENSCHEN, DIE ES BETRIFFT WAREN NICHT DA! Dafür haben wir eigentlich keine Worte!


Fazit: Wir denken weiterhin, dass am Samstag eine gute Chance vertan wurde und sich einzelne Akteure sehr daneben benommen. Dennoch verdient alles eine zweite Chance. Unter klaren Rahmenbedingungen und Spielregeln und ohne die Akteure, die sich selber zu wichtig finden/nehmen, um sich der eigentlichen Sache unterzuordnen und bedingungslos anzuschließen!

Wenn man den Fokus auf die positiven Dinge lenkt und die Gespräche am Sonntag mit einbezieht kann man zumindest vorsichtig optimistisch von einem Neuanfang sprechen. Gemeinsam wurde die Tür einen Spalt weit geöffnet. Es liegt an uns - an allen Akteuren im Kinderschutz -, ob wir die Türe weiter öffnen oder direkt wieder zu fällt. Die Kinder brauchen uns!




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